24.12.08
Frohe Weihnachten!
Ic wünsche allen Freunden und Lesern dieses Blogs frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
23.12.08
Generation Doof
Bayern wird in der Ex-DDR verortet, Polen in der Nordsee und Berlin ist irgendwo bei Frankfurt. Ein Klassiker:
"Dein Traumjob? Arbeitslos .... oder Megastar, das wär cool..."
"Dein Traumjob? Arbeitslos .... oder Megastar, das wär cool..."
3.12.08
Wie man es in das Internet hineinruft ...
... so schallt es heraus. Weiß der Volksmund. Ins Internet ruft man häufig mit einer Suchmaschine (Google et. al.) die einem dann prompt Treffer aus dem großen Misthaufen Internet frei Haus liefert.
Optimal ist, wenn die Treffer zur Suchanfrage passen. Suchmaschinen sind da nicht immer ganz perfekt. Zur Illustration hier eine Auswahl aus Zugriffen auf dieses Blog von Leuten, die ihren Weg hierher per Suchmaschine fanden (siehe unten angefügte Liste).
Wer nach "Dölfer" gesucht und hier gelandet ist - herzlich willkommen, hier sind sie richtig!
Ob die Gäste auf der Suche nach den neuesten Infos zu den Strassenstrichen in Neapel, Tallinn oder Oslo hier fündig geworden sind weiss ich leider nicht. Auch habe ich nur sehr wenig erhellendes zum Thema Fickgeschichten aus Chisinau mitzuteilen, auch wenn ich dort erst vor kurzem war. Ich möchste mich bei Menschen auf der Suche nach vollgepissten Hosen oder Testberichten von Faltencremes für Männer, Liebhabern von dicken Münchnerinnen oder Hobbybastlern, die Perlen auf Kugelschreiber kleben möchten, entschuldigen: Dieses Blog ist eine Sackgasse und wird euch nicht weiterhelfen.
Auch schön: manche Benutzer geben in Google ganze Sätze ein. Ich stelle mir vor, das sie zu Hause sitzen und mit ihrem Rechner reden. Solche Menschen sind sicher glücklich und kennen das Wort Einsamkeit nur aus dem Duden.
Optimal ist, wenn die Treffer zur Suchanfrage passen. Suchmaschinen sind da nicht immer ganz perfekt. Zur Illustration hier eine Auswahl aus Zugriffen auf dieses Blog von Leuten, die ihren Weg hierher per Suchmaschine fanden (siehe unten angefügte Liste).
Wer nach "Dölfer" gesucht und hier gelandet ist - herzlich willkommen, hier sind sie richtig!
Ob die Gäste auf der Suche nach den neuesten Infos zu den Strassenstrichen in Neapel, Tallinn oder Oslo hier fündig geworden sind weiss ich leider nicht. Auch habe ich nur sehr wenig erhellendes zum Thema Fickgeschichten aus Chisinau mitzuteilen, auch wenn ich dort erst vor kurzem war. Ich möchste mich bei Menschen auf der Suche nach vollgepissten Hosen oder Testberichten von Faltencremes für Männer, Liebhabern von dicken Münchnerinnen oder Hobbybastlern, die Perlen auf Kugelschreiber kleben möchten, entschuldigen: Dieses Blog ist eine Sackgasse und wird euch nicht weiterhelfen.
Auch schön: manche Benutzer geben in Google ganze Sätze ein. Ich stelle mir vor, das sie zu Hause sitzen und mit ihrem Rechner reden. Solche Menschen sind sicher glücklich und kennen das Wort Einsamkeit nur aus dem Duden.
Europe, Germany, Baunatal: google.de - russisches lied mit in the army now melodi
Europe, Germany, Wiesloch: google.de - strasenstrich in neapel
Europe, Germany, Bremen: google.de - vollgepisste hosen bilder
Europe, Germany, Brhl: google.de - kampmann ihr potenter verkehrspartner
Europe, Germany, Wetzlar: google.de - afghanistan blog, bundeswehr
Unknown, Unknown, Unknown: google.de - horst schlämmer freundin youtube
Europe, Estonia, Tallinn: google.de - strassenstrich tallinn
Europe, Germany, Bad Vilbel: google.de - faltencreme männer stiftung warentest
Europe, Germany, Unknown: google.de - jörg dölfer
Europe, Germany, Friedrichsdorf: google.de - kugelschreiber mit perlen bekleben
Europe, Germany, Crimmitschau: google.de - "heute schütte ich mich zu" melodie
Europe, Austria, Vienna: google.at - kormoranfischen in thailand
Europe, Germany, Recklinghausen: search.icq.com - bundeswehr bilder
Europe, Germany, Bremen: google.de - wie hoch sind die bierpreise in oslo
Europe, Germany, Hamburg: google.de - desire dümpel
Europe, Germany, Achern: google.de - bundeswehrbilder
Europe, Germany, Cologne: google.de - "wir in nrw" aufkleber
Europe, Germany, Dornstadt: google.de - der weisse neger wumbaba youtube
Europe, Germany, Hanover: suche.t-online.de - bundeswehrbilder
Africa, Morocco, Rabat: google.com - dicke frauen mnchen
Unknown, Unknown, Unknown: google.at - nutten chisinau
Europe, Germany, Landau: google.de - fucker busreisen
Europe, Germany, Wiesbaden: google.com - wasa oslo
Europe, Germany, Warburg: google.de - interview walter frosch protokoll
Europe, Germany, Mnster: search.icq.com - grelles gelb
Europe, Germany, Munich: google.de - dölfer
Europe, Germany, Mannheim: google.de - vereinslied von bayern als text
Europe, Germany, Oldenburg: google.de - wer hat "niemals aufgeben" bild mit reiher und frosch?
Europe, Germany, Unknown: google.de - afghanistan blog bundeswehr
Europe, Germany, Unknown: google.de - lecker sandwich
Europe, Germany, Hamburg: google.de - "jörg dölfer" blog
Europe, Germany, Unknown: google.de - zeitansage chinesisch*
Europe, Norway, Karlshus: google.de - oslo strassenstrich wo
Europe, Germany, Friedrichsdorf: google.de - transsib blog reisebericht
Europe, Germany, Wedel: google.de - "chisinau" "nutten"
Europe, Germany, Herzberg: suche.t-online.de - you tube "walter"
Europe, Switzerland, Bern: google.ch - yekaterinenburg
Europe, Germany, Allee: google.de - bundeswehrbilder
Europe, Germany, Braunfels: google.de - sex fick bericht aus chisinau
Europe, Germany, Berlin: search.sweetim.com - bundeswehrbilder
Europe, Austria, Seekirchen: google.at - wie hoch ist der yangtse schon aufgestaut?
Europe, Austria, Vienna: google.at - stockholm-oslo billig
20.11.08
Letzter Bericht vor der Autobahn
Da ich morgen - leider, mir blutet mein Herz allein bei dem Gedanken daran - nach Deutschland abreise hier ein paar letzte Zeilen von der schoenen Insel.
Ganz auf der Hoehe der Zeit kann man hier ueberall "Feeback" geben. Auf Baustellenschildern stehen Telefonnummern und Internetadressen unter denen man sich beschwerend oder lobend auslassen kann. In jeder U-Bahn Haltestelle gibt es an jedem Ausgang mehrere Briefkaesten in welche man Formulare mit Rueckmeldungen oder Extrawuenschen versenken kann.
"Die U-Bahn ist sehr sauber und vorbildlich puenktlich. Nur eines stoert doch gewaltig: Die Menschenmassen, die sich in einem unertraeglich langsamen Schneckentempo durch die Stationen bewegen. So langsam kann ich mich einfach nicht bewegen, staendig sind die Ausgaenge und die Rolltreppen verstopft. Schon durch einfaches aus dem Weg knueppeln liesse sich dieser Missstand abstellen." hinterlasse ich als mein konstruktives Feedback. Ich wuerde mich sehr freuen, wenn dieser Vorschlag auf fruchtbaren Boden faellt und umgesetzt wird.
Eine unorthodoxe Idee hat sich die Regierung hier zur Bekaempfung der derzeit schlechten Wirtschaftslage einfallen lassen: Jeder Buerger bekommt einen Einkaufsgutschein im Wert von umgerechnet 85 Euro ausgehaendigt. Dieser Gutschein kann im Weihnachtsgeschaeft fuer alle Produkte ohne Einschraenkung genutzt werden und soll die nachlassende Konsumbereitschaft positiv beeinflussen.
Dieser Gutschein wird jedem Einwohner Taiwans ausgehaendigt, also auch Kindern. Touristen gehen leider leer aus. Grosser Gewinner der Aktion: Das 56 jaehrige potente Oberhaupt einer kleinen Sekte der mit den 32 Anhaengern weiblichen Geschlechts 56 Kinder hat. Er freut sich auf etwa 7500 Euro mit denen er dieses Jahr shoppen gehen kann.

Postwurfsendungen werden auch in Taiwan in alle oeffentlich zugaenglichen Schlitze gesteckt.

Ueberall auf der Welt beliebt: Snuupy, der sympathische Beagle aus den Pinatz-Comics.

Der letzte Anzug ist fertig, es kann also wieder heimwaerts gehen.
Ganz auf der Hoehe der Zeit kann man hier ueberall "Feeback" geben. Auf Baustellenschildern stehen Telefonnummern und Internetadressen unter denen man sich beschwerend oder lobend auslassen kann. In jeder U-Bahn Haltestelle gibt es an jedem Ausgang mehrere Briefkaesten in welche man Formulare mit Rueckmeldungen oder Extrawuenschen versenken kann.
"Die U-Bahn ist sehr sauber und vorbildlich puenktlich. Nur eines stoert doch gewaltig: Die Menschenmassen, die sich in einem unertraeglich langsamen Schneckentempo durch die Stationen bewegen. So langsam kann ich mich einfach nicht bewegen, staendig sind die Ausgaenge und die Rolltreppen verstopft. Schon durch einfaches aus dem Weg knueppeln liesse sich dieser Missstand abstellen." hinterlasse ich als mein konstruktives Feedback. Ich wuerde mich sehr freuen, wenn dieser Vorschlag auf fruchtbaren Boden faellt und umgesetzt wird.
Eine unorthodoxe Idee hat sich die Regierung hier zur Bekaempfung der derzeit schlechten Wirtschaftslage einfallen lassen: Jeder Buerger bekommt einen Einkaufsgutschein im Wert von umgerechnet 85 Euro ausgehaendigt. Dieser Gutschein kann im Weihnachtsgeschaeft fuer alle Produkte ohne Einschraenkung genutzt werden und soll die nachlassende Konsumbereitschaft positiv beeinflussen.
Dieser Gutschein wird jedem Einwohner Taiwans ausgehaendigt, also auch Kindern. Touristen gehen leider leer aus. Grosser Gewinner der Aktion: Das 56 jaehrige potente Oberhaupt einer kleinen Sekte der mit den 32 Anhaengern weiblichen Geschlechts 56 Kinder hat. Er freut sich auf etwa 7500 Euro mit denen er dieses Jahr shoppen gehen kann.
Postwurfsendungen werden auch in Taiwan in alle oeffentlich zugaenglichen Schlitze gesteckt.
Ueberall auf der Welt beliebt: Snuupy, der sympathische Beagle aus den Pinatz-Comics.
Der letzte Anzug ist fertig, es kann also wieder heimwaerts gehen.
16.11.08
Wurst Im Nationalen Palastmuseum
Wer nach Taiwan reist, der kommt um einen Besuch des nationalen Palastmuseums nicht herum. Dort befindet sich alles Wertvolle aus 5000 Jahren chinesischer Geschichte, hauptsaechlich also mehr oder minder bunte Porzellanvasen, Seidenmalereien und kalligraphisches zum Thema Chinesische Schriftzeichen.
Das Nationale Palastmuseum in Taipei
Besucher werden professionell in grossen Massen durch die Ausstellungsraeume gelotst. Der Eingangsbereich ist mit seinen Rolltreppen, Bus- und Taxistaenden, WCs und Einkaufszonen nicht weniger hektisch als ein x-beliebiger internationaler Flughafen. Im Unterschied dazu wird nur auf die laestigen Sicherheitskontrollen verzichtet, ansonsten hinkt dieser Vergleich nicht ueber Gebuehr.
In 5000 Jahren Geschichte hat sich eine riesige Menge von Exponaten angesammelt. Im 2. Weltkrieg wurde alles Wertvolle aus der alten chinesischen Hauptstadt Nanjing und der Verbotenen Stadt in Peking in Kisten verpackt und vor den anrueckenden Japanern in Sicherheit gebracht. Das hatte sich bewaehrt, und so haben die Truppen des Kuomintang den ganzen Krempel einfach orginalverpackt direkt weiter nach Taiwan verschifft als sie auf die Insel vor Maos Kommunisten flohen. Die Volksrepublik China ist bis heute stinksauer darauf, das ihnen ihre groessten Schaetze einfach so in einer Nacht und Nebelaktion gemopst wurden.
Zur Zeit gibt es im Museum eine interessante Sonderausstellung mit dem schoenen Titel „3000 Jahre Chinesische Wurstgeschichte“. Wer glaubt, das die Wurst in Deutschland erfunden wurde oder das die Chinesen nur Reis essen, der wird hier schnell eines besseren belehrt: Wurstrezepte von der Tang bis zur Qing-Dynastie; kulinarische Unterschiede zwischen Hunde-, Pferde- und Schweinewurst; technisches zur Wurstherstellung vom Schweinedarm bis hin zum Seidendarm (nur dem Kaiser vorbehalten) – all das ist ausgestellt und wird dem staunenden Besucher naeher gebracht. Auf der Seidenstrasse fand die Wurst dann zu Marco Polos Zeiten ihren Weg nach Europa und damit nach Deutschland. Zur Currywurst war es da nur noch ein ganz kleiner Schritt. Schoen: Nach altem Rezept gefertigte Wurstwaren werden dem Besucher zur Verkoestigung angeboten.
Frische altchinesische Wurstwaren
Links: Was optisch wie eine 1A-Bratwurst daherkommt entpuppt sich beim herzhaften reinbeissen als ein mit Reis gefuellter Schweinedarm.
Rechts: Kaisersalamihartwurst im Seidendarm, ist weniger lecker als es klingt und aussieht
Besucher werden professionell in grossen Massen durch die Ausstellungsraeume gelotst. Der Eingangsbereich ist mit seinen Rolltreppen, Bus- und Taxistaenden, WCs und Einkaufszonen nicht weniger hektisch als ein x-beliebiger internationaler Flughafen. Im Unterschied dazu wird nur auf die laestigen Sicherheitskontrollen verzichtet, ansonsten hinkt dieser Vergleich nicht ueber Gebuehr.
In 5000 Jahren Geschichte hat sich eine riesige Menge von Exponaten angesammelt. Im 2. Weltkrieg wurde alles Wertvolle aus der alten chinesischen Hauptstadt Nanjing und der Verbotenen Stadt in Peking in Kisten verpackt und vor den anrueckenden Japanern in Sicherheit gebracht. Das hatte sich bewaehrt, und so haben die Truppen des Kuomintang den ganzen Krempel einfach orginalverpackt direkt weiter nach Taiwan verschifft als sie auf die Insel vor Maos Kommunisten flohen. Die Volksrepublik China ist bis heute stinksauer darauf, das ihnen ihre groessten Schaetze einfach so in einer Nacht und Nebelaktion gemopst wurden.
Zur Zeit gibt es im Museum eine interessante Sonderausstellung mit dem schoenen Titel „3000 Jahre Chinesische Wurstgeschichte“. Wer glaubt, das die Wurst in Deutschland erfunden wurde oder das die Chinesen nur Reis essen, der wird hier schnell eines besseren belehrt: Wurstrezepte von der Tang bis zur Qing-Dynastie; kulinarische Unterschiede zwischen Hunde-, Pferde- und Schweinewurst; technisches zur Wurstherstellung vom Schweinedarm bis hin zum Seidendarm (nur dem Kaiser vorbehalten) – all das ist ausgestellt und wird dem staunenden Besucher naeher gebracht. Auf der Seidenstrasse fand die Wurst dann zu Marco Polos Zeiten ihren Weg nach Europa und damit nach Deutschland. Zur Currywurst war es da nur noch ein ganz kleiner Schritt. Schoen: Nach altem Rezept gefertigte Wurstwaren werden dem Besucher zur Verkoestigung angeboten.
Links: Was optisch wie eine 1A-Bratwurst daherkommt entpuppt sich beim herzhaften reinbeissen als ein mit Reis gefuellter Schweinedarm.
Rechts: Kaisersalamihartwurst im Seidendarm, ist weniger lecker als es klingt und aussieht
12.11.08
11.11.08
Deutsches aus Taiwan
Zwischendurch mal wieder ein photographisches Lebenszeichen aus Taiwan. Mir geht es gut, ich bin gluecklich und verbringe eine grossartige Zeit hier. Pro Woche bimse ich mir etwa 50 neue Vokabeln hinter die Binde. Das schaerft vor allem den Blick auf Bekanntes - daher gibt es als Schwerpunkt heute deutsche Spuren aus Taiwan.

Zeitungsartikel aus der Chinapost. Wenn Peking Taiwan mehr internationalen "Lebensraum" einraeumt, dann ist es laut Praesident Ma um eine weitere Annaehrung zwischen China und Taiwan gut bestellt.
Eingangstor zum "Adolf Hitler Kindergarten" in Tainan. Das ist vermutlich weniger als ein politisches Bekenntnis, sondern eher als eine Referenz an den weltweit bekanntesten Sohn unseres Nachbarlandes zu verstehen. Die Asiaten pflegen eher einen laxen Umgang mit historischen und geographischen Details aus dem fernen Europa.
Muster aus dem Konfuzius Tempel aus Tainan.
Sehr beliebt in Taiwan: Gesundes aus dem Reformhaus, Sandalen von Birkenstock, Taschen von Bree und Dackel - so lange sie so klein sind das man sie in einer modischen Handtasche mit sich herumschleppen kann (siehe auch Tinkerbell und Paris Hilton)
Taiwanesischer Schnellzug, faehrt durchschnittlich 280 km/h und ist eine echte Alternative zum Flugzeug. Fuer die Strecke Taipei-Tainan (etwa 380 km) braucht er nur anderthalb Stunden!
Friedhof. Um die Grabpflege muss man sich praktischer Weise nicht kuemmern, denn dabei wuerde man nur die Geister der Toten in ihrer Ruhe stoeren. Sehr konsequent!

Peking Ente im Rohzustand
Besuch beim Schneider. Was mir mit am Besten an Asien gefaellt: Massgeschneiderte Anzuege fuer Betraege, bei denen man bei H&M nicht mal ein Dreierpack Boxershorts bekommt.
Zeitungsartikel aus der Chinapost. Wenn Peking Taiwan mehr internationalen "Lebensraum" einraeumt, dann ist es laut Praesident Ma um eine weitere Annaehrung zwischen China und Taiwan gut bestellt.
Eingangstor zum "Adolf Hitler Kindergarten" in Tainan. Das ist vermutlich weniger als ein politisches Bekenntnis, sondern eher als eine Referenz an den weltweit bekanntesten Sohn unseres Nachbarlandes zu verstehen. Die Asiaten pflegen eher einen laxen Umgang mit historischen und geographischen Details aus dem fernen Europa.
Muster aus dem Konfuzius Tempel aus Tainan.
Sehr beliebt in Taiwan: Gesundes aus dem Reformhaus, Sandalen von Birkenstock, Taschen von Bree und Dackel - so lange sie so klein sind das man sie in einer modischen Handtasche mit sich herumschleppen kann (siehe auch Tinkerbell und Paris Hilton)
Taiwanesischer Schnellzug, faehrt durchschnittlich 280 km/h und ist eine echte Alternative zum Flugzeug. Fuer die Strecke Taipei-Tainan (etwa 380 km) braucht er nur anderthalb Stunden!
Friedhof. Um die Grabpflege muss man sich praktischer Weise nicht kuemmern, denn dabei wuerde man nur die Geister der Toten in ihrer Ruhe stoeren. Sehr konsequent!
Peking Ente im Rohzustand
Besuch beim Schneider. Was mir mit am Besten an Asien gefaellt: Massgeschneiderte Anzuege fuer Betraege, bei denen man bei H&M nicht mal ein Dreierpack Boxershorts bekommt.
6.11.08
Ein Wochenende am Meer
Die Panda-Nummer bei den Demonstrationen war ein grosser Hit. Und sehr lukrativ: Von den Einahmen habe ich ein Hochgeschwindigeitszugticket (die fahren hier mit einer Eigenentwicklung und haben zum Glueck nicht den neuesten ICE eingekauft) nach Tainan, der alten Hauptstadt im Sueden der Insel, gebucht. Dort werde ich faul und braesig am Strand ausspannen, vielleicht gehen die blauen Flecken dann schneller weg. Kann mich kaum noch bewegen. Sollen die doch hier ruhig ohne mich weiter in Taipei ausflippen!
Anbei ein paar Bilder der letzten Tage.
Kulinarisches Froesche, gegrillt, gekocht, getoastet, mariniert, haschiert, knusprige gefuellte Froschdaerme - der Phantasie eines chinesischen Kochs sind keine Grenzen gesetzt.
Deutsches Lehnwort
Wieder mal ein schoenes deutsches Lehnwort: Willkommen im Club, das Hinterland fuehlt sich hoffentlich neben Autobahn, Blitzkrieg, Kindergarten, Endsieg, Rucksack oder Zugzwang pudelwohl.
Deutscher Lehnbuchstabe
Gerne leihen wir den Englaendern nicht nur einzelne Worte, sondern auch mal den ein oder anderen Buchstaben aus. Das OE koennte ein internationaler Verkaufsschlager werden, wenn man es nur liesse. Doeoem, Lioen, Joe Sixpack....
Wache Gibts ueberall: Wachen, die strammstehen und keine Miene verziehen. Selbst dann nicht, wenn Touristen in direkter Naehe blank ziehen. Ich vermute, das da irgendwelche Drogen im Spiel sind.
Seven Eleven
Seven Elevens Reaktion auf die Taiwan Gespraeche: Plastikfiguren von Chian Kai Chek, Sun Yatsen und Mao Tse Tung. Vereint in friedlicher Eintracht. Vielleicht kann Rossmann auch mal aehnliches mit Addi Hitler und Jupp Stalin auflegen?
Baby G
Ich werde aelter. Was ist Baby G.? Liesst irgend ein Teenager das hier und kann mir aushelfen? Hat ein Leser Kinder oder eine Freundin im schulpflichtigen, Alter die mir weiterhelfen koennen? Ist das eine Uhr, die neueste Popstars Entdeckung a la Britney Spears oder werden spezielle Push Up BHs unter dem Namen Baby G vermarktet
Gewinne
Es bedarf nur einer ruhigen Hand, viel Geduld und noch mehr Geld um an diesen Automaten etwas zu gewinnen. Ich hatte kein Glueck, habs aber auch gar nicht erst versucht.
Anbei ein paar Bilder der letzten Tage.
Wieder mal ein schoenes deutsches Lehnwort: Willkommen im Club, das Hinterland fuehlt sich hoffentlich neben Autobahn, Blitzkrieg, Kindergarten, Endsieg, Rucksack oder Zugzwang pudelwohl.
Gerne leihen wir den Englaendern nicht nur einzelne Worte, sondern auch mal den ein oder anderen Buchstaben aus. Das OE koennte ein internationaler Verkaufsschlager werden, wenn man es nur liesse. Doeoem, Lioen, Joe Sixpack....
Seven Elevens Reaktion auf die Taiwan Gespraeche: Plastikfiguren von Chian Kai Chek, Sun Yatsen und Mao Tse Tung. Vereint in friedlicher Eintracht. Vielleicht kann Rossmann auch mal aehnliches mit Addi Hitler und Jupp Stalin auflegen?
Ich werde aelter. Was ist Baby G.? Liesst irgend ein Teenager das hier und kann mir aushelfen? Hat ein Leser Kinder oder eine Freundin im schulpflichtigen, Alter die mir weiterhelfen koennen? Ist das eine Uhr, die neueste Popstars Entdeckung a la Britney Spears oder werden spezielle Push Up BHs unter dem Namen Baby G vermarktet
Es bedarf nur einer ruhigen Hand, viel Geduld und noch mehr Geld um an diesen Automaten etwas zu gewinnen. Ich hatte kein Glueck, habs aber auch gar nicht erst versucht.
4.11.08
Hau ab, Verbrecher Chen Yunlin!
Ereignisse historischer Tragweite haeufen sich diese Tage. Zurzeit kann in den USA zum ersten Mal eine wirklich dumme Frau (Sarah Palin) zur Vizepraesidentin gewaehlt werden. Ein historischer Sieg der Frauenbewegung und noch vor wenigen Jahren undenkbar. Taipei empfaengt das erste Mal ueberhaupt eine chinesische Delegation um ueber den zukuenftigen politischen Kurs zwischen Taiwan und China zu verhandeln.
Taipei befindet sich seit der Ankunft der Abordnung gestern im Ausnahmezustand. Das tragen von Flaggen jedweder Art - sei es die chinesische, die taiwanesische oder die tibetische - ist den Leuten untersagt. Was besonders die national bewussten Taiwanesen maechtig wurmt und auf die Barrikaden bringt. Die Barrikaden bestehen aus von der Polizei an allen Ecken der Stadt angebrachten spanischen Reitern, diese sind mit rostigem Stacheldraht geschmueckt. Kontrollposten verlangen Paesse und riegeln den Tagungsort hermetisch ab.
Polizeistaatszenen wie man sie aus Deutschland nur aus Muenchen kennt. Zwei Minuten lang schaffte es die Oppositionspartei DDP immerhin, ein Banner mit der Aufschrift "Hau ab, Verbecher Chen Yulin - Taiwan ist Taiwan" zu plazieren. Bis die Polizei auch das entfernte. Herr Chen ist der Vorsitzende der chinesischen Delegation und ist hier dieser Tage ein eher unerwuenschter Gast.
Davon inspiriert habe ich mir den schoenen Slogan "Chen Yulins Verbrecherpack - wir haben eure Luegen satt!" ausgedacht. Auf chinesisch klingt das leider nicht ganz so rhythmisch, daran muss ich noch etwas feilen. Den von Martin eingesendeten Alternativslogan "Taipeh darf kein zweites Goerlitz werden!" habe ich heute ausprobiert, er wurde nicht verstanden. Vermutlich weil hier keiner Goerlitz kennt. Das mit dem Verbecherpack kommt jedoch gut an, das habe ich heute getestet.
Auf dem Nachtmarkt halte ich heute Abend die Augen auf der Suche nach einem Pandakostuem offen. Damit verkleidet und mit einer chinesischen Flagge auf dem Ruecken mache ich mich dann am Wochenende auf den Weg zur grossen Demonstration. Dazu ein Schild "Viel billig! Tritt die chinesischen Dreckskommunisten in den Arsch! Nur 100 NT$!" lasse ich mich dann von Demonstranten oder Polizisten fuer kleines Geld (100 NT$ sind etwa 2,50 Euro) vermoebeln und bessere so meine derzeit etwas angespannte Urlaubskasse auf.
Ich werde davon berichten.

Das Grand Hotel Taiwan, erste Adresse am Platz und Tagungsort der Gespraeche zum weiteren Vorgehen in der Taiwanfrage.

Die Polizei hat sich ueberall in der Stadt eingenistet, in den U-Bahn Haltestellen sind Knueppel und Schutzschilde einsatzbereit aufgereiht.

Warten auf den Einsatz: Da gerade nichts zu tun ist ruhen sich die Einsatzkraefte so lange aus bis sie vielleicht gebraucht werden.

Taipeis Fussballstadion ist eine marode Bruchbude in der Einflugschneise des alten Flughafens. Damit erinnert es an das Stadion des HSV an der Muellverbrennungsanlage in Hamburg (hiess mal Volkspark, den aktuellen verramschten Namen habe ich gerade nicht zur Hand)

Der Flutlichtmast befindet sich genau auf dem Spielfeld. Obwohl ich das so genau nicht sagen kann, denn auf dem Gruen wurde konsequent auf jegliche Markierung (16er, Seitenlinien, etc.) verzichtet.
Taipei befindet sich seit der Ankunft der Abordnung gestern im Ausnahmezustand. Das tragen von Flaggen jedweder Art - sei es die chinesische, die taiwanesische oder die tibetische - ist den Leuten untersagt. Was besonders die national bewussten Taiwanesen maechtig wurmt und auf die Barrikaden bringt. Die Barrikaden bestehen aus von der Polizei an allen Ecken der Stadt angebrachten spanischen Reitern, diese sind mit rostigem Stacheldraht geschmueckt. Kontrollposten verlangen Paesse und riegeln den Tagungsort hermetisch ab.
Polizeistaatszenen wie man sie aus Deutschland nur aus Muenchen kennt. Zwei Minuten lang schaffte es die Oppositionspartei DDP immerhin, ein Banner mit der Aufschrift "Hau ab, Verbecher Chen Yulin - Taiwan ist Taiwan" zu plazieren. Bis die Polizei auch das entfernte. Herr Chen ist der Vorsitzende der chinesischen Delegation und ist hier dieser Tage ein eher unerwuenschter Gast.
Davon inspiriert habe ich mir den schoenen Slogan "Chen Yulins Verbrecherpack - wir haben eure Luegen satt!" ausgedacht. Auf chinesisch klingt das leider nicht ganz so rhythmisch, daran muss ich noch etwas feilen. Den von Martin eingesendeten Alternativslogan "Taipeh darf kein zweites Goerlitz werden!" habe ich heute ausprobiert, er wurde nicht verstanden. Vermutlich weil hier keiner Goerlitz kennt. Das mit dem Verbecherpack kommt jedoch gut an, das habe ich heute getestet.
Auf dem Nachtmarkt halte ich heute Abend die Augen auf der Suche nach einem Pandakostuem offen. Damit verkleidet und mit einer chinesischen Flagge auf dem Ruecken mache ich mich dann am Wochenende auf den Weg zur grossen Demonstration. Dazu ein Schild "Viel billig! Tritt die chinesischen Dreckskommunisten in den Arsch! Nur 100 NT$!" lasse ich mich dann von Demonstranten oder Polizisten fuer kleines Geld (100 NT$ sind etwa 2,50 Euro) vermoebeln und bessere so meine derzeit etwas angespannte Urlaubskasse auf.
Ich werde davon berichten.
Das Grand Hotel Taiwan, erste Adresse am Platz und Tagungsort der Gespraeche zum weiteren Vorgehen in der Taiwanfrage.
Die Polizei hat sich ueberall in der Stadt eingenistet, in den U-Bahn Haltestellen sind Knueppel und Schutzschilde einsatzbereit aufgereiht.
Warten auf den Einsatz: Da gerade nichts zu tun ist ruhen sich die Einsatzkraefte so lange aus bis sie vielleicht gebraucht werden.
Taipeis Fussballstadion ist eine marode Bruchbude in der Einflugschneise des alten Flughafens. Damit erinnert es an das Stadion des HSV an der Muellverbrennungsanlage in Hamburg (hiess mal Volkspark, den aktuellen verramschten Namen habe ich gerade nicht zur Hand)
Der Flutlichtmast befindet sich genau auf dem Spielfeld. Obwohl ich das so genau nicht sagen kann, denn auf dem Gruen wurde konsequent auf jegliche Markierung (16er, Seitenlinien, etc.) verzichtet.
3.11.08
Neues aus Taiwan
In meiner ersten Woche habe ich mich sehr gut einleben koennen. Blind finde ich nun den richtigen Bus nach Hause, und das von jeder beliebigen Stelle der Stadt. Im Muenzwaschsalon kann ich auf chinesisch zwischen Koch- und Buntwaesche unterscheiden. Das ist sehr wichtig, denn bei den feuchten Waschkuechentemperaturen verbrauche ich pro Tag mindestens zwei T-Shirts.
Ebenso haeufig bewege ich meinen Luxuskoerper pro Tag unter die Dusche. Das mitgebrachte Haarwaschmittel ist inzwischen aufgebraucht, ich bin auf eine oertliche mir bisher unbekannte Marke im sparsamen 1.5 KG Pack umgestiegen. Was Koerperpflegeprodukte angeht so steht die Auswahl in Anzahl und Marken nicht hinter der aus Deutschland bekannten zurueck. Fuer Frauen gilt dies jedenfalls, Maenner koennen bei Haarshampoo zwischen genau zwei Sorten waehlen: mit und ohne Schuppenschutz, beide in der Geruchsrichtung Minze. Das ist sinnvoll, denn bei Asiaten herrschen dunkle Haarfarben vor die mit weissen Schuppen gesprenkelt schneller albern aussehen als bei blonden Europaeern.
Politisch ist hier gerade schwer was los. Eine chinesische Delegation ist zu Besuch um Gespraeche mit der Taiwanesischen Regierung ueber den zukuenftigen Kurs zu fuehren. Prompt hagelt es Ausgangssperren und Demonstrationsverbote, die sich die Opposition aber nicht gefallen lassen. Mit an Bord auch die notorisch-nervigen Tibetaktivisten die sich unter dem Motto "Taiwan darf kein zweites Tibet werden" einfach selbst eingeladen haben.
Was die koennen kann ich auch: Ich bastele noch an einer eigenen Meinung und einem griffigen Slogan und werde mich damit unters Volk mischen. Ich favorisiere etwas in der Art wie ich es taeglich in einem Werbespot sehen kann: "Gan Mao Yong Si Si, Yong Si Si, Ke So Yong Si Si, Yong Si Si" (uebersetzt etwa "Wenn ich Fieber habe dann nehme ich Si Si, nehme ich Si Si, Schnupfe ich so nehm ich Si Si, nehme ich Si Si", wobei Si Si der Produktname, also so etwas wie Aspirin ist). Der Slogan und die Melodie ist hier sehr bekannt, selbst die Kinder von der Grundschule auf der anderen Seite kennen ihn (sie duerfen wohl schon laenger aufbleiben und Fernseh schauen). Jetzt muss mir nur noch der passende Text einfallen und schon es kann losgehen. Zum Glueck habe ich meinen Parteiausweis dabei, mit dem kommt man ja bekanntlich ueberall herein. Mal sehen, ob ich es bis auf das offizielle Delegationsphoto schaffe.
Jetzt habe ich ein Termin mit meiner Schneiderin. Samstag hat sie Mass genommen und zwei von mir auf einem Bierdeckel skizzierte Anzuege geschneidert. Einen in Weiss, den anderen in einem dunklen Jeansblau. Bei dem weissen Stoff hat sie mit Kopf geschuettelt, ich konnte sie aber davon ueberzeugen, das das hao kan (tres chic, wie der Deutsche sagt) aussehen wird.
Bis die Tage!
PS: Naechste Woche Samstag habe ich im "Underground" einen Tokio Motel Auftritt klar gemacht. Kommt also schnell hierher, damit wir vorher noch etwas ueben koennen. Ich hole euch dann am Flughafen ab!
Halloween
Verkleidete Kinder streifen durch die Strassen um Angst und Schrecken zu verbreiten und dabei Suessigkeiten abzustauben. Die beiden hier scheinen mehr Angst zu haben als die, welche sie erschrecken sollen.
Frischfleisch
Taiwanesische Metzger haengen ihre Fleischprodukte direkt ausserhalb des Geschaefts auf der Strasse auf. Von Abgasen geraeuchert kann man so zwischen den zwei Geschmacksrichtungen "Zweitakter" und "Super Plus" waehlen (abhaengig von der Verkehrssituation).
Konserve
Taiwans Kueche ist sehr Meereslastig: Hinter dem ansprechenden Buechsendesign verstecken sich frische Muscheln (ohne Schalen). Das ganze hat eine sehr schleimige Konsistenz. Wer das mal zu Hause ausprobieren will: In eine Buechse 20 Nacktschnecken (tote!) zusammen mit einem gammeligen Fisch stecken und das ganze nach zwei Tagen oeffen. Et voila - bon appetit!
Schule
Auf dem Lande finden sich verlassene Schulen die seit bestimmt 20 Jahren nicht mehr im Einsatz sind. Auf einer vergilbten Weltkarte gibt es jedenfalls noch die DDR und Jugoslawien. Pflicht an jeder Schule: Fahnenappel vor der Bueste Chian Kai Cheks.
Mao Lao Shi
Unter den Augen des grossen Vorsitzenden lernt es sich besser, er selber lernte bis zu seinem Todestag unermuedlich fuer das Wohl seines Volkes.
Sex sells
Auf einer Photoaustellung versuchen spaerlich bekleidete japanische Hostessen, Fotoprodukte aus dem Hause Pentax unter das Volks zu bringen. Eine derartige Werbung kenne ich von deutschen Messen nicht, wahere aber mal was anderes.
Ebenso haeufig bewege ich meinen Luxuskoerper pro Tag unter die Dusche. Das mitgebrachte Haarwaschmittel ist inzwischen aufgebraucht, ich bin auf eine oertliche mir bisher unbekannte Marke im sparsamen 1.5 KG Pack umgestiegen. Was Koerperpflegeprodukte angeht so steht die Auswahl in Anzahl und Marken nicht hinter der aus Deutschland bekannten zurueck. Fuer Frauen gilt dies jedenfalls, Maenner koennen bei Haarshampoo zwischen genau zwei Sorten waehlen: mit und ohne Schuppenschutz, beide in der Geruchsrichtung Minze. Das ist sinnvoll, denn bei Asiaten herrschen dunkle Haarfarben vor die mit weissen Schuppen gesprenkelt schneller albern aussehen als bei blonden Europaeern.
Politisch ist hier gerade schwer was los. Eine chinesische Delegation ist zu Besuch um Gespraeche mit der Taiwanesischen Regierung ueber den zukuenftigen Kurs zu fuehren. Prompt hagelt es Ausgangssperren und Demonstrationsverbote, die sich die Opposition aber nicht gefallen lassen. Mit an Bord auch die notorisch-nervigen Tibetaktivisten die sich unter dem Motto "Taiwan darf kein zweites Tibet werden" einfach selbst eingeladen haben.
Was die koennen kann ich auch: Ich bastele noch an einer eigenen Meinung und einem griffigen Slogan und werde mich damit unters Volk mischen. Ich favorisiere etwas in der Art wie ich es taeglich in einem Werbespot sehen kann: "Gan Mao Yong Si Si, Yong Si Si, Ke So Yong Si Si, Yong Si Si" (uebersetzt etwa "Wenn ich Fieber habe dann nehme ich Si Si, nehme ich Si Si, Schnupfe ich so nehm ich Si Si, nehme ich Si Si", wobei Si Si der Produktname, also so etwas wie Aspirin ist). Der Slogan und die Melodie ist hier sehr bekannt, selbst die Kinder von der Grundschule auf der anderen Seite kennen ihn (sie duerfen wohl schon laenger aufbleiben und Fernseh schauen). Jetzt muss mir nur noch der passende Text einfallen und schon es kann losgehen. Zum Glueck habe ich meinen Parteiausweis dabei, mit dem kommt man ja bekanntlich ueberall herein. Mal sehen, ob ich es bis auf das offizielle Delegationsphoto schaffe.
Jetzt habe ich ein Termin mit meiner Schneiderin. Samstag hat sie Mass genommen und zwei von mir auf einem Bierdeckel skizzierte Anzuege geschneidert. Einen in Weiss, den anderen in einem dunklen Jeansblau. Bei dem weissen Stoff hat sie mit Kopf geschuettelt, ich konnte sie aber davon ueberzeugen, das das hao kan (tres chic, wie der Deutsche sagt) aussehen wird.
Bis die Tage!
PS: Naechste Woche Samstag habe ich im "Underground" einen Tokio Motel Auftritt klar gemacht. Kommt also schnell hierher, damit wir vorher noch etwas ueben koennen. Ich hole euch dann am Flughafen ab!
Verkleidete Kinder streifen durch die Strassen um Angst und Schrecken zu verbreiten und dabei Suessigkeiten abzustauben. Die beiden hier scheinen mehr Angst zu haben als die, welche sie erschrecken sollen.
Taiwanesische Metzger haengen ihre Fleischprodukte direkt ausserhalb des Geschaefts auf der Strasse auf. Von Abgasen geraeuchert kann man so zwischen den zwei Geschmacksrichtungen "Zweitakter" und "Super Plus" waehlen (abhaengig von der Verkehrssituation).
Taiwans Kueche ist sehr Meereslastig: Hinter dem ansprechenden Buechsendesign verstecken sich frische Muscheln (ohne Schalen). Das ganze hat eine sehr schleimige Konsistenz. Wer das mal zu Hause ausprobieren will: In eine Buechse 20 Nacktschnecken (tote!) zusammen mit einem gammeligen Fisch stecken und das ganze nach zwei Tagen oeffen. Et voila - bon appetit!
Auf dem Lande finden sich verlassene Schulen die seit bestimmt 20 Jahren nicht mehr im Einsatz sind. Auf einer vergilbten Weltkarte gibt es jedenfalls noch die DDR und Jugoslawien. Pflicht an jeder Schule: Fahnenappel vor der Bueste Chian Kai Cheks.
Unter den Augen des grossen Vorsitzenden lernt es sich besser, er selber lernte bis zu seinem Todestag unermuedlich fuer das Wohl seines Volkes.
Auf einer Photoaustellung versuchen spaerlich bekleidete japanische Hostessen, Fotoprodukte aus dem Hause Pentax unter das Volks zu bringen. Eine derartige Werbung kenne ich von deutschen Messen nicht, wahere aber mal was anderes.
30.10.08
Schnittblumen aus Taiwan
Anbei wie versprochen ein erster Bericht ueber die ersten Tage
meines Taiwan Urlaubs. Viel Spass beim Lesen!
Reise
Der Flug nach Taiwan mit China Airlines, der unbeliebten staatlichen Fluggesellschaft Taiwans, verlief ohne weitere Komplikationen und war sehr entspannt. Die Airline ist beruehmt dafuer, gut eingeflogene gebrauchte Flugzeuge einzukaufen und diese mit schlecht ausgebildetem Personal zu besetzen. Eine sehr erfolgreiche Strategie: Auf der Liste der 50 weltweit sichersten Fluggesellschaften befindet sich China Airlines auf Platz 49 – die sicherere Lufthansa nimmt mit drei Abstuerzen Platz 9 in dieser Aufstellung ein. Taiwanesen sind sehr aberglaeubisch, deuten diesen Spitzenplatz mit schlechtem Karma und machen einen grossen Bogen um diesen Anbieter. Als Auslaender sehe ich das wesentlich entspannter – und schliesslich ist China Airlines nach wie vor der unschlagbar billigste Weg, hierher zu reisen.
Auf allen Reise plagt mich das gleiche Problem: Das Gewicht meines Reisegepaecks. Erlaubt sind, wie ueblich, 20 kg. Allein 5 kg davon verbrauchen diverse Fruchtgummis aus dem Hause Haribo, die ich auf Wunsch als Geschenk mitschleppe. Meine Waage zeigt nach dem packen 18.8 kg an – die Waage am Flughafen ist etwas genauer und gibt das tatsaechliche Gewicht mit 23.5 kg an. Das passiert mir staendig, also wird wohl meine Waage defekt sein. Und wenn das stimmt: vielleicht wiege ich gar keine 74.5 kg, sondern tatsaechlich ein wenig mehr? Ich werde diesem schrecklichen Verdacht wenn ich wieder zu Hause bin nachgehen.
Auslaender duerfen 30 Tage in Taiwan bleiben. Das Visum gibts direkt und problemlos bei der Einreise. Auch in Taiwan soll man dabei die Adresse der Bleibe auf einem Formular angeben. Was ich immer etwas unpraktisch finde, denn ich entscheide so etwas in der Regel immer sehr spontan vor Ort wenn man mich ins Land gelassen hat. Wie immer trage ich also die fiktive Unterkunft „Park Hotel“ ein, welches ich in der Julu Julu Lululu 256 verorte („Lu“ heisst Strasse auf Chinesisch, den Rest habe ich mir ausgedacht). So bin ich schon in Los Angeles, Auckland, Peking oder in Kiew in Park Hotels abgestiegen.

Typische Strassenszene in Taipei, es gibt mindestens doppelt so viele Roller wie Autos

Auf einem Roller nehmen bis zu vier Leute platz
Bleibe
Schoen und preiswert ist dieses Mal die Unterkunft im Stadtteil Xindian die Chi Hsuen von einer Yoga Kurs Bekanntschaft fuer mich angemietet hat. Fuer schlappe 250 Euro bewohne ich einen Monat lang eine 4 Zimmer Neubauwohnung. Die 70 qm sind geschmacklich mit Ledersofa, diversen Schminktischen und einem protzig in die Wand eingelassenen 16:9 Flachbildschirmfernsehmonster eingerichtet. Wie man das computergesteuerte und programmiere direkt in den Toilettensitz integrierte Bede nutzt muss ich bei Zeiten noch rauskriegen wenn die Kimme juckt.
Hier profitiere ich direkt von der Immobilienkrise, denn die Besitzerin handelt mit Wohnungen dieser Art und bleibt juengst auf einigen Objekten dieser Art sitzen. An der frisch renovierten Einrichtung liegt es jedenfalls nicht, die ist tippi toppi. Gratis bekommt der geneigte Tierfreund ausserdem die ein oder andere Kakerlake als Untermieter hinzu. Diese sind sehr robust und pflegeleicht und etwa doppelt so gross wie ihrer Artgenossen aus Hongkong. Ich sammele ab sofort wieder “Hello Kitty” Leuchtaufkleber um gefangene Exemplare optisch zu markieren.
Technisch ausgestattet bin ich ausserdem mit einem etwas aeltere Dell Notbeook inclusive Flat-rate Internetzugang. Ich kann also zukuenftig so wie jetzt bequem in Unterhose auf dem Ledersofa sitzend in der grossen weiten Welt nach dem Rechten schauen.. Oder Reiseberichte wie diesen verfassen. Das ist ein Luxus den ich zu schaetzen weiss, musste ich doch sonst mit onlinespielenden Jugendlichen oder verschwitzten Rucksacktouristen verschmierte Tastaturen in manchmal verrauchten Internet-Cafes teilen.
Auch eine taiwanesische SIM-Karte habe ich in mein Handy schrauben koennen. Wer gerne mal ein Ferngespraech mit Taiwan fuehren moechte muss dazu nicht mehr die Zeitansage anrufen, sondern kann mich direkt unter 00886 – 988 635 400 erreichen. Denkt dabei aber bitte an die acht Stunden Zeitdifferenz zwischen Europa und Asien!
Blumen
Als Dankeschoen fuer die schoene Wohnung und komplette Ausstattung ist jedenfalls ein bunter Strauss frischer Schnittblumen faellig. Doch wo kann man diese in Taipei kaufen? Ich weiss, wo ich hier die aktuelle Ausgabe des Spiegels beziehen oder ein Astra Bier kaufen kann. Blumenlaeden habe ich aber bisher keine gesehen - trotzdem ich die Augen danach offen halte.
Die junge Dame bei der Touristeninformation hat Verstaendnis fuer mein Anliegen. Ganze 10 Minuten telefoniert sie mit Kollegen und kritzelt auf einem Zettel. Zwischendurch erfragt sie wichtige Details (die Fragen von ihr sind auf Englisch, ich habe sie direkt uebersetzt): Was ist das Ziel der Blumen? Ich moechte sie gerne mitnehmen! Sollen es spezielle sein? Nein, nur gut riechen und aussehen. Welches Budget planen sie ein? Ich dachte maximal an einen unteren vierstelligen Betrag (natuerlich in NT$, ich bin ja nicht Kroesus)! Ergebnis: In Taipei kauft man Blumen entweder im Internet bei Fleurop, was ich als zu sproede und unromatisch finde und daher ablehne. Oder verwendungsfertig abgepackt und bereits in Folie eingewickelt beim oertlichen Carre-Four Supermarkt. Oder irgendwo in der Naehe von Ausgang vier der Haltestelle Dapinglin. Letzter Oertlichkeit werde ich also bei naechster Gelegenheit genauer unter die Lupe nehmen.

Lecker Essen
Finanzielles
Pech habe ich etwas mit dem lieben Geld. Alle Automaten verweigern meine Bankkarte, quittieren Auszahlungwuensche meinerseits mit kryptischen Fehlermeldungen. Laut den Bankangestellten ist der Magnetstreifen defekt. Das meine deutsche Karte ueberhaupt akzeptiert wird habe ich schon bei aelteren Urlauben testen koennen.
Die Postbank bietet mir zur Loesung einen weltweiten Erstattungsservice an. Die PIN fuer eine neue Karte geht dann aber per Post an meine Heimatadresse. Alternativ kann ich ein Fax schicken und eine alternative Adresse hinterlegen. Ob diese aber ueberhaupt ins Ausland geschickt werden weiss der Berater, den ich zur Klaerung meines Problems anrufe, auch nicht. Aber ich soll das “ruhig mal versuchen”. Dieser halbgar durchdachte Erstattungsservice ist fuer schlappe pauschale 100,- Euro zu haben.
Auf aehnlich abenteuerlichem Weg kann mir die Postbank einen neuen PIN fuer meine VISA Karte zukommen lassen. Das kostet nur 3,75 Euro – ungewiss ist aber auch hier, das die nur per Fax einzurichtende Anschrift ueberhaupt bedient wird, wenn sie sich im Ausland befindet.
Ich beschimpfe den Bankberater aufs uebelste in Aufbietung meines gesammelten Lumpen-Chinesisch Repertoires. “Fick dich!” heist einfach “gan”, wegen der Einfacheit der chinesischen Sprache kann man das nicht deklinieren oder konjugieren. Und lege dann auf. Teurer Scheissservice.
Hilfreich zur Seite steht mir be idem Liquiditaetsproblem American Express: Bis zu 800,- Euro pro Woche kann ich bei denen fuer wucherige 4,75 % Bearbeitungsgebuehr abheben. Teurer Spass, aber ich bin wieder liquide.
Sprachkurs 1: Deutsch fuer Taiwanesen

Der Deutsche Baecker Mark wirbt mitg dem schmissigen Slogan "Natuerlich. Gesund. Ausgewaehlte Zutaten." fuer seine Broetchen. Ein Novum, denn Brot wird in Taiwan sonst mit unnatuerlichen chemischen Zusaetzen hergstellt und ist sehr ungesund.
Fuer Deutsche ist das Deutsche Kulturzentrum eine gute Anlaufstelle. Abends hole ich hier Chi Hsuen von einem Deutschkurs ab, wir wollen noch das ein oder andere Bier im Nachtmerkt neben der Universitaet trinken. Dieses Amuesierviertel braucht einen Vergleich mit der heimischen Reeperbahn nicht scheuen. Musikalisch gibt es hier viel versprechende Rockklubs in denen unbekannte lokale oder japanische Bands auftreten. Die Bierpreise liegen mit 4,- Euro pro Flasche allerdings doppelt so hoch wie zum Beispiel bei Herbert auf dem Kiez gewohnt.
Als Deutscher bin ich beim Deutschkurs ein gern gesehener Gast. Die deutschen Mitarbeiter haben hier um 17:00 Uhr Feierabend, von denen laesst sich keiner um 21:00 beim Sprachkurs blicken. Gemaess Lehrplan bringt man hier den geneigten Taiwanesen gerade Saetze vom Kaliber „Unser Verein ist Schalke 04“ (was 04 bedeutet bleibt dabei im Dunkeln) oder „Stefanie Fritsche ist Auszubildende in Herne“ bei. Derart sprachlich geruestet will sich die Haelfte der Kursteilnehmer demnaechst in der Naehe von Stuttgart bei einem Auslandssemester behaupten. Der aktuellen wirtschaftlichen Lage angemessen nutze ich die Chance und bereichere ihren Wortschatz um die schoene zeitlose Floskel „Wir haben uns unseren Wohlstand in Deutschland hart erarbeiten muessen“. Mit so einem Satz kann man immer was anfangen, das motiviert und bringt einen voran.

Deutsche Lehnwoerter im taiwaneischen Alltag, viele halten Recycling fuer eine deutsche Erfindung
Sprachkurs 2: Chinesisch lernen
Einweihungsritual und erste Amtshandlung bei der Teilnahme an einem Chinesischkurs ist die Vergabe eines chinesische Namens. Dazu umschreibt man einfach den Name mit den chinesichen Silben, welche ausgesprochen moeglichst aehnlich wie der Originalname klingen. Aus „Doelfer“ wird so „de2 fu2“ (schreibweise in Pinjin), ausgesprochen „doufu“. Was unspektakulaer nach Fleischersatz fuer Vegetarier klingt bedeutet fuer den in Mandarin eingeweihten „Moral und Glueck“. Da haette ich es auch wesentlich schlimmer treffen koennen.
Interessant ist der umgekehrte Weg: Chinesen, welche Englisch oder Deutsch als Fremdsprache waehlen, uebersetzen nicht ihren eigenen Namen (denn wie sollte man auch einen Namen wie Zhoufang ins Deutsche uebersetzen?). Stattdessen waehlen sie einfach einen Namen aus einer Liste, der irgendwie positive Assoziationen bei ihnen weckt. Um ihre Visitenkarten fuer Westler leichter lesbar zu machen drucken sie diesen selbst gewaehlten Name auch auf ihre Visitenkarten. Beliebte Namen sind „Joy“ und „Micky“ (geschlechtsunspezifisch als Frauen und Maennername verwendet); im Deutschkurs erleben „Helga“ und „Karin“einer ungeahnte Renaissance – progressivere Teilnehmer taufen sich „Angela“ oder „Tanja“.
Bereits mit elementaren Mandarin Grundkenntnissen ausgestatt beginne ich den Sprachkurs mit der 4. Lektion. Bei vier Stunden pro Woche arbeite ich mich pro Tag eine Lektion weiter nach vorne. Das ist so schnell das ich mit dem Lernen der neuen Vokabeln nachmittags kaum nachkomme und es artet fast schon in Arbeit aus. Ich trete auf die Bremse und werde mich ab der naechsten Woche auf zwei Stunden pro Tag reduzieren. Vor allem das Lesen ist noch sehr holperig, ich fuehle mich manchmal wie ein kompletter Analphabet, der zum Nachsitzen verdonnert wurde und sich fremde Woerter, die sich muehsam durch seine Gehirnwindungen pressen, einbimst.
Wer in Taiwan chinesisch lernt hat ein paar politisch bedingte Klippen zu umschiffen. Gemaess Lehrbuch forme ich den Satz „Das werte Fraeulein Li kommt aus Taiwan. Sie ist Chinesin.“. Gramatikalisch und von der Aussprache ist das richtig, inhaltlich aber falsch. Ich lerne, zwischen „Chinese“ und „Ueberseechinese“ (Chinesen die nicht in der Volksrepublik China leben, also vor allem Taiwanesen) zu unterscheiden. Beim naechsten Anlauf mache ich es auch politisch korrekt: „Frau Li spricht Ueberseechinesisch“. Abgesehen von diesen kleinen Schnitzern geht das lernen dieser sehr einfachen Sprache zuegig voran (wenn man vom Lesen und Schreiben abstrahiert).
Zwei kleine Tiger
Mein Wortschatz ist noch recht ueberschaubar, darunter will ich aber die Anwendung des Gerlenten im taeglichen Leben nicht leiden lassen. Die Kassiererinnen der 7-Eleven Shops kennen mich inzwischen persoenlich, was vielleicht auch daran liegt, das ich sie beim Einkauf immer mit „Wertes Fraeulein“ anspreche. Weniger hoefliche und alltaeglichere Ansprachen lerne ich erst in ein paar Wochen.
Generell sind Taiwanesen eher schuechtern zurueckhaltend und man kommt etwas schwer mit ihnen in Kontakt. Kinder sind da mutiger, besonders wenn sie sich im Schutze des Balkons der Grundschule direkt gegenueber dem Balkon meiner Unterkunft befinden. Bei einer Pause rufen sie mich direkt an. Auch hier kann ich das Gelernte direkt zum Einsatz bringen. Nach dem ueblichen Hallo sind sie etwas erstaunt zu hoeren, das ich aus Deutschland komme. Vermutlich haben sie von diesem fremden Land noch nichts gehoert und werde heute Abend ihre Eltern mit Fragen dazu loechern. Ich nehme ihnen die Angst indem ich das bekannte Kinderlied „Zwei kleine Tiger“, gesungen zur Melodie von „Bruder Jakob“, anstimme:
兩 隻 老 虎 兩 隻 老 虎 跑 得 快 跑 得 快
Liangˇ zhi laoˇ huˇ, liangˇ zhi laoˇ huˇ, paoˇ de˙ kuaiˋ, paoˇ de˙ kuaiˋ.
一 隻 沒 有 眼 睛 一 隻 沒 有 耳 朵 真 奇 怪 真 奇 怪
yi zhi meiˊ youˇ yanˇ jing, yi zhi meiˊyouˇ erˇ duoˇ, zhen qiˊ guaiˋ, zhen qiˊ guaiˋ.
Als Hoehepunkt singen wir das Lied gemeinsam ueber den Daechern Xindians. Wer eine Uebersetzung benoetigt oder am Text intessiert ist, der kann sich bei mir melden. Oder selber einen Sprachkurs belegen. Wer ausserdem weiss, wie „Alle meine Entlein“ auf chinesisch klingt, der melde sich bitte umgehend bei mir. Mein Vorrat an einschlaegiger Liedkunst ist bereits erschoepft, ich habe mein Pulver komplett verschossen.

Dafuer braucht man keinen Sprachkurs. Hier gehts zum Zahnarzt ... oder doch in eine Karaoke Bar...

Apostrophen Katasthrophe aus Taipei
meines Taiwan Urlaubs. Viel Spass beim Lesen!
Reise
Der Flug nach Taiwan mit China Airlines, der unbeliebten staatlichen Fluggesellschaft Taiwans, verlief ohne weitere Komplikationen und war sehr entspannt. Die Airline ist beruehmt dafuer, gut eingeflogene gebrauchte Flugzeuge einzukaufen und diese mit schlecht ausgebildetem Personal zu besetzen. Eine sehr erfolgreiche Strategie: Auf der Liste der 50 weltweit sichersten Fluggesellschaften befindet sich China Airlines auf Platz 49 – die sicherere Lufthansa nimmt mit drei Abstuerzen Platz 9 in dieser Aufstellung ein. Taiwanesen sind sehr aberglaeubisch, deuten diesen Spitzenplatz mit schlechtem Karma und machen einen grossen Bogen um diesen Anbieter. Als Auslaender sehe ich das wesentlich entspannter – und schliesslich ist China Airlines nach wie vor der unschlagbar billigste Weg, hierher zu reisen.
Auf allen Reise plagt mich das gleiche Problem: Das Gewicht meines Reisegepaecks. Erlaubt sind, wie ueblich, 20 kg. Allein 5 kg davon verbrauchen diverse Fruchtgummis aus dem Hause Haribo, die ich auf Wunsch als Geschenk mitschleppe. Meine Waage zeigt nach dem packen 18.8 kg an – die Waage am Flughafen ist etwas genauer und gibt das tatsaechliche Gewicht mit 23.5 kg an. Das passiert mir staendig, also wird wohl meine Waage defekt sein. Und wenn das stimmt: vielleicht wiege ich gar keine 74.5 kg, sondern tatsaechlich ein wenig mehr? Ich werde diesem schrecklichen Verdacht wenn ich wieder zu Hause bin nachgehen.
Auslaender duerfen 30 Tage in Taiwan bleiben. Das Visum gibts direkt und problemlos bei der Einreise. Auch in Taiwan soll man dabei die Adresse der Bleibe auf einem Formular angeben. Was ich immer etwas unpraktisch finde, denn ich entscheide so etwas in der Regel immer sehr spontan vor Ort wenn man mich ins Land gelassen hat. Wie immer trage ich also die fiktive Unterkunft „Park Hotel“ ein, welches ich in der Julu Julu Lululu 256 verorte („Lu“ heisst Strasse auf Chinesisch, den Rest habe ich mir ausgedacht). So bin ich schon in Los Angeles, Auckland, Peking oder in Kiew in Park Hotels abgestiegen.
Typische Strassenszene in Taipei, es gibt mindestens doppelt so viele Roller wie Autos
Auf einem Roller nehmen bis zu vier Leute platz
Bleibe
Schoen und preiswert ist dieses Mal die Unterkunft im Stadtteil Xindian die Chi Hsuen von einer Yoga Kurs Bekanntschaft fuer mich angemietet hat. Fuer schlappe 250 Euro bewohne ich einen Monat lang eine 4 Zimmer Neubauwohnung. Die 70 qm sind geschmacklich mit Ledersofa, diversen Schminktischen und einem protzig in die Wand eingelassenen 16:9 Flachbildschirmfernsehmonster eingerichtet. Wie man das computergesteuerte und programmiere direkt in den Toilettensitz integrierte Bede nutzt muss ich bei Zeiten noch rauskriegen wenn die Kimme juckt.
Hier profitiere ich direkt von der Immobilienkrise, denn die Besitzerin handelt mit Wohnungen dieser Art und bleibt juengst auf einigen Objekten dieser Art sitzen. An der frisch renovierten Einrichtung liegt es jedenfalls nicht, die ist tippi toppi. Gratis bekommt der geneigte Tierfreund ausserdem die ein oder andere Kakerlake als Untermieter hinzu. Diese sind sehr robust und pflegeleicht und etwa doppelt so gross wie ihrer Artgenossen aus Hongkong. Ich sammele ab sofort wieder “Hello Kitty” Leuchtaufkleber um gefangene Exemplare optisch zu markieren.
Technisch ausgestattet bin ich ausserdem mit einem etwas aeltere Dell Notbeook inclusive Flat-rate Internetzugang. Ich kann also zukuenftig so wie jetzt bequem in Unterhose auf dem Ledersofa sitzend in der grossen weiten Welt nach dem Rechten schauen.. Oder Reiseberichte wie diesen verfassen. Das ist ein Luxus den ich zu schaetzen weiss, musste ich doch sonst mit onlinespielenden Jugendlichen oder verschwitzten Rucksacktouristen verschmierte Tastaturen in manchmal verrauchten Internet-Cafes teilen.
Auch eine taiwanesische SIM-Karte habe ich in mein Handy schrauben koennen. Wer gerne mal ein Ferngespraech mit Taiwan fuehren moechte muss dazu nicht mehr die Zeitansage anrufen, sondern kann mich direkt unter 00886 – 988 635 400 erreichen. Denkt dabei aber bitte an die acht Stunden Zeitdifferenz zwischen Europa und Asien!
Blumen
Als Dankeschoen fuer die schoene Wohnung und komplette Ausstattung ist jedenfalls ein bunter Strauss frischer Schnittblumen faellig. Doch wo kann man diese in Taipei kaufen? Ich weiss, wo ich hier die aktuelle Ausgabe des Spiegels beziehen oder ein Astra Bier kaufen kann. Blumenlaeden habe ich aber bisher keine gesehen - trotzdem ich die Augen danach offen halte.
Die junge Dame bei der Touristeninformation hat Verstaendnis fuer mein Anliegen. Ganze 10 Minuten telefoniert sie mit Kollegen und kritzelt auf einem Zettel. Zwischendurch erfragt sie wichtige Details (die Fragen von ihr sind auf Englisch, ich habe sie direkt uebersetzt): Was ist das Ziel der Blumen? Ich moechte sie gerne mitnehmen! Sollen es spezielle sein? Nein, nur gut riechen und aussehen. Welches Budget planen sie ein? Ich dachte maximal an einen unteren vierstelligen Betrag (natuerlich in NT$, ich bin ja nicht Kroesus)! Ergebnis: In Taipei kauft man Blumen entweder im Internet bei Fleurop, was ich als zu sproede und unromatisch finde und daher ablehne. Oder verwendungsfertig abgepackt und bereits in Folie eingewickelt beim oertlichen Carre-Four Supermarkt. Oder irgendwo in der Naehe von Ausgang vier der Haltestelle Dapinglin. Letzter Oertlichkeit werde ich also bei naechster Gelegenheit genauer unter die Lupe nehmen.
Lecker Essen
Finanzielles
Pech habe ich etwas mit dem lieben Geld. Alle Automaten verweigern meine Bankkarte, quittieren Auszahlungwuensche meinerseits mit kryptischen Fehlermeldungen. Laut den Bankangestellten ist der Magnetstreifen defekt. Das meine deutsche Karte ueberhaupt akzeptiert wird habe ich schon bei aelteren Urlauben testen koennen.
Die Postbank bietet mir zur Loesung einen weltweiten Erstattungsservice an. Die PIN fuer eine neue Karte geht dann aber per Post an meine Heimatadresse. Alternativ kann ich ein Fax schicken und eine alternative Adresse hinterlegen. Ob diese aber ueberhaupt ins Ausland geschickt werden weiss der Berater, den ich zur Klaerung meines Problems anrufe, auch nicht. Aber ich soll das “ruhig mal versuchen”. Dieser halbgar durchdachte Erstattungsservice ist fuer schlappe pauschale 100,- Euro zu haben.
Auf aehnlich abenteuerlichem Weg kann mir die Postbank einen neuen PIN fuer meine VISA Karte zukommen lassen. Das kostet nur 3,75 Euro – ungewiss ist aber auch hier, das die nur per Fax einzurichtende Anschrift ueberhaupt bedient wird, wenn sie sich im Ausland befindet.
Ich beschimpfe den Bankberater aufs uebelste in Aufbietung meines gesammelten Lumpen-Chinesisch Repertoires. “Fick dich!” heist einfach “gan”, wegen der Einfacheit der chinesischen Sprache kann man das nicht deklinieren oder konjugieren. Und lege dann auf. Teurer Scheissservice.
Hilfreich zur Seite steht mir be idem Liquiditaetsproblem American Express: Bis zu 800,- Euro pro Woche kann ich bei denen fuer wucherige 4,75 % Bearbeitungsgebuehr abheben. Teurer Spass, aber ich bin wieder liquide.
Sprachkurs 1: Deutsch fuer Taiwanesen
Der Deutsche Baecker Mark wirbt mitg dem schmissigen Slogan "Natuerlich. Gesund. Ausgewaehlte Zutaten." fuer seine Broetchen. Ein Novum, denn Brot wird in Taiwan sonst mit unnatuerlichen chemischen Zusaetzen hergstellt und ist sehr ungesund.
Fuer Deutsche ist das Deutsche Kulturzentrum eine gute Anlaufstelle. Abends hole ich hier Chi Hsuen von einem Deutschkurs ab, wir wollen noch das ein oder andere Bier im Nachtmerkt neben der Universitaet trinken. Dieses Amuesierviertel braucht einen Vergleich mit der heimischen Reeperbahn nicht scheuen. Musikalisch gibt es hier viel versprechende Rockklubs in denen unbekannte lokale oder japanische Bands auftreten. Die Bierpreise liegen mit 4,- Euro pro Flasche allerdings doppelt so hoch wie zum Beispiel bei Herbert auf dem Kiez gewohnt.
Als Deutscher bin ich beim Deutschkurs ein gern gesehener Gast. Die deutschen Mitarbeiter haben hier um 17:00 Uhr Feierabend, von denen laesst sich keiner um 21:00 beim Sprachkurs blicken. Gemaess Lehrplan bringt man hier den geneigten Taiwanesen gerade Saetze vom Kaliber „Unser Verein ist Schalke 04“ (was 04 bedeutet bleibt dabei im Dunkeln) oder „Stefanie Fritsche ist Auszubildende in Herne“ bei. Derart sprachlich geruestet will sich die Haelfte der Kursteilnehmer demnaechst in der Naehe von Stuttgart bei einem Auslandssemester behaupten. Der aktuellen wirtschaftlichen Lage angemessen nutze ich die Chance und bereichere ihren Wortschatz um die schoene zeitlose Floskel „Wir haben uns unseren Wohlstand in Deutschland hart erarbeiten muessen“. Mit so einem Satz kann man immer was anfangen, das motiviert und bringt einen voran.
Deutsche Lehnwoerter im taiwaneischen Alltag, viele halten Recycling fuer eine deutsche Erfindung
Sprachkurs 2: Chinesisch lernen
Einweihungsritual und erste Amtshandlung bei der Teilnahme an einem Chinesischkurs ist die Vergabe eines chinesische Namens. Dazu umschreibt man einfach den Name mit den chinesichen Silben, welche ausgesprochen moeglichst aehnlich wie der Originalname klingen. Aus „Doelfer“ wird so „de2 fu2“ (schreibweise in Pinjin), ausgesprochen „doufu“. Was unspektakulaer nach Fleischersatz fuer Vegetarier klingt bedeutet fuer den in Mandarin eingeweihten „Moral und Glueck“. Da haette ich es auch wesentlich schlimmer treffen koennen.
Interessant ist der umgekehrte Weg: Chinesen, welche Englisch oder Deutsch als Fremdsprache waehlen, uebersetzen nicht ihren eigenen Namen (denn wie sollte man auch einen Namen wie Zhoufang ins Deutsche uebersetzen?). Stattdessen waehlen sie einfach einen Namen aus einer Liste, der irgendwie positive Assoziationen bei ihnen weckt. Um ihre Visitenkarten fuer Westler leichter lesbar zu machen drucken sie diesen selbst gewaehlten Name auch auf ihre Visitenkarten. Beliebte Namen sind „Joy“ und „Micky“ (geschlechtsunspezifisch als Frauen und Maennername verwendet); im Deutschkurs erleben „Helga“ und „Karin“einer ungeahnte Renaissance – progressivere Teilnehmer taufen sich „Angela“ oder „Tanja“.
Bereits mit elementaren Mandarin Grundkenntnissen ausgestatt beginne ich den Sprachkurs mit der 4. Lektion. Bei vier Stunden pro Woche arbeite ich mich pro Tag eine Lektion weiter nach vorne. Das ist so schnell das ich mit dem Lernen der neuen Vokabeln nachmittags kaum nachkomme und es artet fast schon in Arbeit aus. Ich trete auf die Bremse und werde mich ab der naechsten Woche auf zwei Stunden pro Tag reduzieren. Vor allem das Lesen ist noch sehr holperig, ich fuehle mich manchmal wie ein kompletter Analphabet, der zum Nachsitzen verdonnert wurde und sich fremde Woerter, die sich muehsam durch seine Gehirnwindungen pressen, einbimst.
Wer in Taiwan chinesisch lernt hat ein paar politisch bedingte Klippen zu umschiffen. Gemaess Lehrbuch forme ich den Satz „Das werte Fraeulein Li kommt aus Taiwan. Sie ist Chinesin.“. Gramatikalisch und von der Aussprache ist das richtig, inhaltlich aber falsch. Ich lerne, zwischen „Chinese“ und „Ueberseechinese“ (Chinesen die nicht in der Volksrepublik China leben, also vor allem Taiwanesen) zu unterscheiden. Beim naechsten Anlauf mache ich es auch politisch korrekt: „Frau Li spricht Ueberseechinesisch“. Abgesehen von diesen kleinen Schnitzern geht das lernen dieser sehr einfachen Sprache zuegig voran (wenn man vom Lesen und Schreiben abstrahiert).
Zwei kleine Tiger
Mein Wortschatz ist noch recht ueberschaubar, darunter will ich aber die Anwendung des Gerlenten im taeglichen Leben nicht leiden lassen. Die Kassiererinnen der 7-Eleven Shops kennen mich inzwischen persoenlich, was vielleicht auch daran liegt, das ich sie beim Einkauf immer mit „Wertes Fraeulein“ anspreche. Weniger hoefliche und alltaeglichere Ansprachen lerne ich erst in ein paar Wochen.
Generell sind Taiwanesen eher schuechtern zurueckhaltend und man kommt etwas schwer mit ihnen in Kontakt. Kinder sind da mutiger, besonders wenn sie sich im Schutze des Balkons der Grundschule direkt gegenueber dem Balkon meiner Unterkunft befinden. Bei einer Pause rufen sie mich direkt an. Auch hier kann ich das Gelernte direkt zum Einsatz bringen. Nach dem ueblichen Hallo sind sie etwas erstaunt zu hoeren, das ich aus Deutschland komme. Vermutlich haben sie von diesem fremden Land noch nichts gehoert und werde heute Abend ihre Eltern mit Fragen dazu loechern. Ich nehme ihnen die Angst indem ich das bekannte Kinderlied „Zwei kleine Tiger“, gesungen zur Melodie von „Bruder Jakob“, anstimme:
兩 隻 老 虎 兩 隻 老 虎 跑 得 快 跑 得 快
Liangˇ zhi laoˇ huˇ, liangˇ zhi laoˇ huˇ, paoˇ de˙ kuaiˋ, paoˇ de˙ kuaiˋ.
一 隻 沒 有 眼 睛 一 隻 沒 有 耳 朵 真 奇 怪 真 奇 怪
yi zhi meiˊ youˇ yanˇ jing, yi zhi meiˊyouˇ erˇ duoˇ, zhen qiˊ guaiˋ, zhen qiˊ guaiˋ.
Als Hoehepunkt singen wir das Lied gemeinsam ueber den Daechern Xindians. Wer eine Uebersetzung benoetigt oder am Text intessiert ist, der kann sich bei mir melden. Oder selber einen Sprachkurs belegen. Wer ausserdem weiss, wie „Alle meine Entlein“ auf chinesisch klingt, der melde sich bitte umgehend bei mir. Mein Vorrat an einschlaegiger Liedkunst ist bereits erschoepft, ich habe mein Pulver komplett verschossen.
Dafuer braucht man keinen Sprachkurs. Hier gehts zum Zahnarzt ... oder doch in eine Karaoke Bar...
Apostrophen Katasthrophe aus Taipei
Abonnieren
Posts (Atom)

