18.8.08

Moldawien: Raus aus der Schwitzhoelle mit dem Saunaexpress

Salut, Freunde!

Auf dem Weg in Richtung schwarzes Meer haben wir die unmenschliche Schwitzhoelle von Kiev hinter uns gelassen und sind per Nachtzug nach Moldawien aufgebrochen. Klimatisch ist diese taktische Massnahme bisher ein voller Erfolg: Hier gibt es natuerlichen Wind der von selber blaest und nicht aus Ventilatoren kommt. Den einsetzenden Regen am Bahnhof begruessen wir euphorisch, vor allem weil wir nach 38 Stunden auf den Beinen und ohne Waschung doch etwas sehr schweissverklebt Fuss auf moldawischen Boden setzten. Da kommt eine kuehle erfrischende Gratisdusche gerade Recht.

Moldawien wirkt auf den ersten Blick sehr entspannt. Es gibt Restaurants und Kneipen (beides muss man in Kiew leider mit der Lupe suchen) in ausreichender Anzahl. Die Menschen strahlen eine suedlaendische Gelassenheit aus und verbringen ihre Zeit gerne draussen in biergartenaehnlichen Etablissements. Vor allem junge Menschen scheinen hier haeufiger als in der Ukraine ueblich des Englischen maechtig zu sein.

Sehr entspannt sind auch die Grenzkontrollen. Rein rechtlich sind wir irgendwie halblegal hier. Ein Grenzbeamter fragte im Zug, ob wir Touristen seien und wieviel Bargeld wir mit uns rumschleppen. Dann rannte er ploetzlich weg (dabei freundlich grinsend), unsere Paesse keines Blickes wuerdigend und ohne diese durch einen begehrten Einreisestempel aufzuwerten. Laut Rezeptionistin im "Turist" 2-Sterne Hotel am Komsomlskaya Platz ist das aber auch kein Problem, denn wir koennen mit dem Ausreisestempel aus der Ukraine ja nachweisen, das wir per Zug in die nicht annerkannte Republik Transnistrien und spaeter nach Moldawien eingereist sind. Ich vertraue den Profis und lasse mich einfach mal ueberraschen, ob diese Sache am Freitag bei der Ausreise genauso entspannt gehandhabt wird.

Uebermorgen werden wir Europas Antwort auf Nordkorea, die abtruennige stalinistisch gepraegte abtruenninge Republik Transnistrien aufsuchen und dort nach dem Rechten schauen. In der Umgebung gibt es hier in Moldawien eine Menge Weinkeller, vielleicht aendere ich meinen Getraenkegeschmack nach Besuch dieser?

Da seit dem letzten Bericht nicht viel passiert ist anbei ein paar kommentierte Bilder:

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Kwas-Gulaschkanone in Kiew, das malzbieraehnliche alkoholfreie Getraenk ist eine willkommene osteuropaeische Spezialitaet mit der sich einfacher den tropischen Temperaturen trotzen laesst


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Jugendliche Mitglieder des "Teleskopski Club Kiev" beim Nacktbadegaestespannen am anderen Dnepjr Ufer in Kiew, je nach Verhandlungsgeschick ist auch fuer Touristen eine Ueberlassung dieser Geraete fuer wenig Geld moeglich


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Quizfrage fuer die Tagesschau-Redaktion oder den Einbuergerungstest: Welche der im Bild dargestellten Fahnen ist die offizielle Fahne der Bundesrepublik Deutschland (Mehrfachnennung moeglich)?


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Wachhund des Ordnungsdienstes beim Spiel Dynamo Kiew - Metallurg Saporoschje, seine Haltung spiegelt gleichzeitig die abendlichen Temperaturbedingungen und den unpraetentioesen (sprich eher langweiligen) Spielverlauf, in dem sich der Favorit Kiev erwartungsgemaess 2:0 durchsetzen konnte, wieder


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Ukrainische Bahnmitarbeiterin in der Naehe der moldawischen Grenze


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Zugreisen im ehemaligen UDSSR-Bereich 1: Bei Stops koennen Fahrgaeste lokale Lebensmittel, Waffen, Kinderspielzeug oder anderes fuer die Weiterfahrt dringend benoetigtes Material direkt am Bahngleis von fliegenden Haendlern kaufen


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Zugreisen im ehemaligen UDSSR-Bereich 2: Beine verteten der Beine auf dem Bahngleis anlaesslich eines Stops wird die gewaehlte Reisekleidung (Kittel, Bademaentel und Trainingsanzuege bevorzugt) praktischer Weise gleich anbehalten

17.8.08

Die Schwitzhoelle von Kiev und das Atom

Es faengt mit tierischem Gestank nach Schweiss im Flieger nach Riga an. Die Temperaturen in Hamburg sind ja eher gemaessigt, Osteuropa hingegen gleicht temperaturtechnisch einem Treibhaus. Ein ganzer Flieger voller stinkender und schwitzender Passagiere, Luft die man schneiden und in Tueten abfuellen kann wenn man wollte.

Viele Ukrainer begeben sich dieser Tage zur Sommerfrische nach Odessa oder auf die Krim. Die Stadt glueht. Standesgemaess sind wir am ersten Hotel am Platz abgestiegen: Das gute alte Hotel Ukraina direkt am Maidan Platz, zentraler geht nicht. Das Zimmer ist preiswert und unrenoviert, es verstroemt fleissig die Aura vergangener glorreicherer Sowjetzeiten. Bei den Temperaturen eine Meisterleistung: Zu jeder Tageszeit weist das Thermometer eine Raumtemepratur von konstant 29 Grad Celsius aus. Und das ohne Heizung oder Klimaanlage oder irgend welcher anderer erkennbarer technischer Hilfen.

Auch die Etagen-Podvornitsa erfuellt alle Klischees die man bezueglich russischer Verhaltensstrukturen hegen mag. Als Markus und ich auf unser Zimmer wollen ist sie erst einmal nicht da. Auf der Suche nach dem Schluessel zu unserem Zimmer ueben wir uns zunaechst in Geduld, der 1A-Ausblick vom Balkon ueber Kievs Nachtleben hilft dabei. Doch die Hotelfachkraft bleibt weiter verschwunden. Wir finden nur eine halbleere Flasche Wodka an ihrem Arbeitslatz und etwas Schokolade. Neben dem Buegelzimmer entdecke ich Kotze auf dem Boden der Toilette. Abgesehen von diesen Zeichen moderner Zivilisation bleibt sie aber verschwunden. Wir verschaffen uns kurzer Hand anderweitig Zutritt zu unseren Raeumlichkeiten und treffen sie eine Stunde spaeter beim Verlassen des Hotels doch an: Stramm wie zehn nackte Russen kommt sie um die Ecke gebogen und kann nicht mehr gerade gehen, geschweige denn sprechen. Wir helfen ihr auf ihren Stuhl damit sie weiter ihrer Arbeit nachgehen kann und geben ausnahmseise den Schluessel an der Hauptrezeption ab. Dort weist Markus diskret auf den Gesundheitszustand der Mitarbeiterin hin ("She is totally drunken") und wir treffen sie erst heute morgen bei der Abreise wieder. Direkt spricht sie uns auf Trinkgeld an das wir ihr aber nicht geben.

Ansonsten sind die Ukrainer sehr nett, insbesondere die juengeren koennen haufig ein paar Brocken Englisch. Auch ein paar wichtige Brocken in deutscher Sprache ("Sieg Heil" oder "Hitler kaputt") gehoert zum Standardwortschatz und wird verstanden und angewendet.

Der Ausflug nach Tschernobyl war interessant und wie erwartet lehrreich. In Tschernobyl kann man shoppen (Becks Bier und Wurst zum Beispiel) und dort gibt es eine mit 300 Mann besetzte Feuerwehrwache. Das Atomdorf in der Naehe des Reaktors ist verlassen und wir sind direkt bis zum hochgegangenen Meiler gekommen. Ueberall sind Skulpturen, welche haeufig den siegreichen Kampf des Menschen mit dem Atom zum Inhalt haben. Wir lernen, wie man sich den Atom durch festes Aufstampfen aus den Kleidern schuetteln kann. Der Geigerzeahler der offiziellen Zonenverwalter ist anscheinend etwas anders geeicht als der eines amerikanischen Mitreisenden. Waehrend die US Technik kraeftig piepend hektisch Alarm schlaegt uebt sich das ukrainische Pendant in stoischer Gelassenheit und bleibt ruhig wie eine geknebelter Wellensittich. Beim Ausgang aus der Sperrzone gilt es noch eine Atompruefschleuse zu meistern. Im Zweifelsfall muss man so lange dort bleiben, bis man wieder sauber ist und nicht mehr als normal strahlt. Atome kann man sich uebrigens auch auswaschen wie Schuppen aus den Haaren. Hier in der Ukraine lerne ich an einem Tag so viel mehr als in drei Jahren Physik in der Oberstufe!

Am Abend treffen wir noch ein paar Georgier in einer Biergartentanzbar, schoen gelegen auf einer Flussinsel im Dnjepr. Hier kann Markus sein ganzes Wissen einbringen: Markus beginnt mit der Ansprache in Georgisch, wie prosten auf georgisch zu und zaehlen der Reihe nach bekannte georgische Fussballspieler aus der Bundesliga auf (einfach irgendwas sagen das auf -willi oder -nadse endet). Als wir noch beim Flicken der Fahne praktisch helfen und vehement den EU-Beitritt und NATO Mitgliedschaft einfordern und in Aussicht stellen gibt es kein Halten mehr und einige Freigetranke gehen auf ihre spendable Kappe. Voelkerverstaendigung und Diplomatie koennen sehr einfach sein wenn man es richtig macht.

Heute steht ein langer Tag auf dem Zettel: Fussballspiel um 20:30 Uhr (Dynamo Kiev - Metallurg Irgendwas, Zug nach Chisnau um 4:30 Ortszeit. Mehr dann von dort.

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Goldelse von Kiew ueber dem Maidan Platz, Ausblick vom Hotel

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Maidan Platz in Kiew

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Wirk- und kleidsamer Schutz vor Sonnen und anderer Strahlung

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Atomschleuse beim verlassen der verbotenen Zone - nur wer ohne Atom und unverstrahlt ist kommt hier durch und muss sonst dort bleiben

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Verlassenes Kinderspielzeug

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Propagandaplakate die Unfallbedingt nicht mehr zum Einsatz kamen

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Holzrakete neben dem (verlassenen) Brettergymnasium "Clara Zetkin"

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Wetter und Strahlung im gruenen Bereich vor dem explodierten Reaktor

7.8.08

Rausgehen, Warm machen, Weg hauen ...

Am Ende mit Gastauftritt von ...

29.7.08

Stephen King: N.

Jeden Tag eine neue Folge:


14.7.08

Perlen Aus YouTube: Karel Gott

Wer kennt nicht "Room all painted black" von den Rolling Stones? Karel Gott kennt es und hat sich an einer deutschsprachigen Fassung versucht. Etwas unbekannt vielleicht, aber nicht minder interessant:

22.6.08

Neue Kamera K20D


regen
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Ich habe mir endlich die schon lang ersehnte K20D gegönnt. Für 850,- € derzeit ein Schnäppchen.

Auf der Zugfahrt von Osnabrück nach Hamburg hatte ich ausgiebig Zeit, mich mit dem neuen Spielzeug zu beschäftigen. Weil der IC mit einem Baum kollidierte brauchte er drei Stunden länger als geplant für den Weg nach Hamburg.

17.6.08

Regenbogen


Regenbogen
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Ein Blick aus dem Fenster, gestern, nachdem ich von einer ausgedehnten Radtour nach Hause kam. In dem Baum spielen sonst Eichhörnchen.

15.6.08

Hamburg deine Fussballplätze

Etwas in Vergessenheit geraten ist der folgende Fussballplatz in den Vierlanden (Nähe Neuengamme). Bei der WM 2006 bereitete sich das Nationalteam der USA hier in der Abgeschiedenheit der ländlichen Umgebung auf ihre Spiele vor. Noch heute sieht man, das es an den konkurenzlos optimalen Platzbedingugen nicht gelegen haben kann, das die US Boys vorzeitig die Heimreise antreten mussten.

Fussballplatz

25.5.08

Vorerst letztes Pflichtspiel in der Adolf Jäger Kampfbahn

Das letzte Heimspiel der Saison für Altona 93. Sportlich bereits in die neue Regionalliga aufgestiegen hapert es noch mit einer neuen Spielstätte für die neue Liga.

Dabei hat die alt ehrwürdige Adolf Jäger Kampfbahn einiges zu bieten: Moderne WCs und Kassenhäuschen zum Beispiel. Echte Dschungelatmosphäre auf begrünten Rängen. Jede Menge Stehplätze, Patina und Charme.


Adolf Jäger Kampfbahn: Ostkurve
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Adolf Jäger Kampfbahn: WC
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4.5.08

Zurück


Sedlic
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Seit Freitag bin ich wieder in Hamburg. Schön, dieses sommerliche Frühlingswetter!

27.4.08

Neues aus Prag: Veitstanz im Schatten des Veitsbergs

Das Hostel Elf im Stadtteil Zizkov (sprich "Dschitschkow") schmiegt sich in ruhiger Lage an den Hang des Veitsbergs. Alle Zimmer sind nach hinten raus in Richtung Veitsberg, kein Strassenlaerm truebt die Nachtruhe. Die himmlische Stille wird ab und zu durch Bahnlaerm gestoert, denn an einem Tunnel durch den Veitsberg wurde gespart. Mit schoener Regelmaessigkeit kann man daher alle zehn Minuten Reisenden in den Ostteil der Republik und darueber hinaus in Richtung Pressburg oder Bruenn zuschauen, so dicht fahren die Regionalexpresse der tscheschischen Bahn an den Fenstern der Hostels vorbei das man die Schlagzeilen ihrer Zeitungen bequem mitlesen kann - auch wenn man sie wie ich aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht verstehen kann. Auch rudimentaere chinesische Sprachkenntnisse helfen nicht weiter. Ein El Dorado fuer Trainspotter.

Ob es der Sieg des lokalen Stadtteilerstligaclubs Victoria Zizkov gegen den Prager Erstligadino Slavia Prag bis auf die Titelseite geschafft hat werde ich daher nicht erfahren. Muss ich aber auch nicht verstehen, denn das Spiel habe ich live im Stadion miterleben duerfen. Meine Sympathien galten dabei dem Underdog aus Zizkov, und ich habe sie nicht verschenkt. Vergleichbar ist eine solche Partie mit einem Spiel St.Paulis gegen den HSV, Zizkov hatte irgendwie 20 Prozent Ballbesitz, zwei Torchancen und hat aus diesem bisschen gar nichts ein komfortables und eindeutiges 3:0 herausgespielt.

Eine seit Jahren in Prag lebende Englaenderin klaerte mich darueber auf, warum im Stadion nur die beiden Geraden ausverkauft wurden und die Kurven hinter den Toren leer blieben: Vor zwei Wochen haben die Hooligans von Sparta, Slavias Erzrivalen, das Stadion auseinandergenommen und an der Plastikbestuhlung herumgefackelt. Derzeit wartet man noch auf den Ersatz neuer Bestuhlung. Abgesehen von diesem Klassiker aller Derbys war dieses aber ausgesprochen ruhig. Slavia gilt eher als der Intellektuellen Klub weshalb der Vergleich mit dem HSV offensichtlich hinkt. Ich ziehe ihn hiermit zurueck.

Morgen gehts weite rnach Dresden, dann gibts ausfuehrlichere Berichte und ggfs. ein paar Photos. Es gibt Rossmann in Tschechien und auch so etwas wie KIK, auch wenn das hier anders heisst. Nicht minder lesenswert sind dessen Prospekte und das feilgebotene Sortiment.

5.4.08

Paderborn


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Anbei ein Bild vom Hermann Löns Stadion zu Paderborn. Das weltweit einzig mir bekannte Stadion mit einer Stromleitung mittig von Tor zu Tor quer übern Platz. Pauli kam mit dem Elektrosmog leider nicht so gut klar und kam böse mit 4:1 unter die Räder. Insbesondere Torwart Borger war nicht wiederzuerkennen, sonst ein Fels und Garant für einen sauberen Kasten patzte er in der Partie mehrmals.